Ein höchst ungewöhnliches Projekt mit ebensolchem Namen. Wenn sich ein Ensemble „Ohne 4 gespielt drei“ tauft, was ist dann zu erwarten? Zum Beispiel Experimentaljazz. Mit viel Fantasie und detektivischem Gespür kann man an dem gemeinsamen Nenner auch schon einiges über die Besetzung erkunden. Etwa, dass es sich um ein Trio handelt, das auf etwas verzichtet.
Nun, Katrin Scherer (Saxofone, Elektronik), Sven Decker (Saxofone, Klarinetten, Elektronik) und Bernd Oeszevim (Schlagzeug, Percussion) kommen locker ohne Bass- und Harmoniestütze aus. Die Saarländer haben an der Folkwanghochschule in Essen studiert und dann dauerhaft im Ruhrpott ihre Zelte aufgeschlagen, um von dort aus international zu agieren.
Ihr aktuelles Album „A 40“ (Green Deer Music) ist eine Hommage an die neue Heimat, heißt so doch die berühmt-berüchtigte Hauptverkehrs-Schlagader jener Region. An Deutschlands größtes Industriegebiet erinnern denn auch einzelne Titelschöpfungen wie „Schimanski“, „Feinstaub“ und „Katernberg Katharsis“ (nach einem Stadtteil Essens). Musikalisch wird der aufgeschlossene Kenner mit zeitgenössischem Jazz in rauem Soundgewand und ausschließlich aus eigener Feder verwöhnt.
Erkennungszeichen von O4g3 sind die expressiven Bläserduette, mal komplex ausgetüftelt, mal improvisiert, wobei sich Konstruktion und Spontaneität trefflich ergänzen.
In Verbindung mit geschmackvoll eingesetzter Elektronik inklusive Samples wachsen originelle Musikcollagen, die bei aller kniffligen Verquertheit durch Emotionalität und Groove ansprechen.
(Stefan Uhrmacher, Saarbrücker Zeitung, April 2009)
Frisch
Ihr Name kommt vom Skat, doch diese drei spielen Jazz, und der Name unterstreicht die abenteuerliche Besetzung: zwei Holzbläser, ein Drummer, ein wenig Elektronik.
Kein Bass, kein Harmonieinstrument.
Katrin Scherer und Sven Decker leiten mehrere Bands sowie ein Label im Ruhrgebiet; die zweite Scheibe ihres Trios widmen sie der Hauptverkehrs(stau)ader der Region.
Hektisch, quirlig und hibbelig klingt ihre Musik.
Die Absolventen der Folkwang- Hochschule Essen schreiben vertrackte, collagenartige Stücke, frech, schräg und voller Brüche.
Ein schönes Beispiel für die junge Jazzszene Ruhr.
(Dr. Berthold Klostermann, Fono Forum Juni 2009)
Experimente vom Feinsten
Dass Jazz durchaus lebendig ist, bewies in den Räumlichkeiten des Mannheimer Künstlerkollektivs 'Laboratorio 17' die Essener Combo 'Ohne 4 gespielt drei'. Der Name indes ist Programm. Traditionell ohne Bassbesetzung präsentierte das Trio mit dem neuen Album 'A40' ihres Labels GREEN DEER MUSIC Experimentaljazz vom Feinsten.
Fernab von kommerzieller Eingleisigkeit lieferten Katrin Scherer und Sven Decker an Saxophon und Elektronik sowie Bernd Oezsevim an den Percussionsinstrumenten mit der musikalischen Hommage an die Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets eine reife Leistung ab. Frisch und mit Esprit, dennoch schnörkellos auf den Punkt gebracht, blieb während der rund zweistündigen Session keine Zeit für Kompromisse an Konventionalität und kommerzheischende Langeweile.
Höhepunkt der Jazzreihe
Die trotzig, zornig aufbäumenden Saxophone Scherers und Deckers zeigten durch dystropisch anmutende Klänge der anwesenden Zuhörerschaft, wo der Hammer des zeitgenössischen Jazz hängt. Abgelöst durch die eingemischten sphärischen Elektroeinlagen verlieh die seit 2003 bestehende Formation dabei eine gewisse Verträumtheit, die in der Szene wohl ihresgleichen suchen dürfte. Durch Stücke wie "free floating", g"groove ruf", "schimanski", oder " dance of a hypochonder" bot das Promo-Konzert einen Höhepunkt der Reihe 'Jazz im Busch', die sich zugleich bis September in die Sommerpause verabschiedete.
(von Thomas Öchsner, Mannheimer Morgen)
Auszüge aus dem Jazzthetik- Bericht der Juni- Ausgabe von Rolf Thomas:
„... das Album ist eine Tour de Force durch ein Universum voller Klänge, Grooves und Collagen, die den Hörer nur selten Atem holen lässt. Das bereits erwähnte „Feinstaub“ nimmt durch seine suggestive Atmosphäre für sich ein, was für eine hervorragende Baritonsaxofonistin Katrin Scherer ist, kann man am besten im lapidar betitelten „FAQ“ hören, und beim nervösen „Dance of a Hypochonder“ umspielen sich die beiden Saxofonlinien tumultös...“
"... nach dem erscheinen von Debut gab´s nicht nur eine Auszeichnung von jazzwerkruhr, sondern auch eine Einladung zum internat. Festival für zeitgenössische Muisk interzone in Serbien und zum Trytone Festival in Amsterdam. Das ungewöhnliche Konzept von O4g3 wird also längst auch international wahrgenommen.
Ein Effekt, der mit A40 noch mehr in Fahrt kommen sollte...“
(Das komplette Interview zu A40 gibts in der Jazzthetik vom Juni 2009!)
„A40: Stau gerät zum vergnügten Staunen
Stau und „A40“ gehören zusammen. Nun hätte bei der Präsentation gleichnamiger CD der Essener Jazzformation „Ohne 4 gespielt drei“ im Katakombentheater wohl niemand größeres Verkehrsaufkommen erwartet. Statt Stau überraschtes Staunen- wurde die Handvoll heimischer Jazzfans doch tatsächlich von einer Schar auswärtiger Ruhrgebietsbesucher verdoppelt. Und die erlebten eine spannende Hommage an die ständig verstopfte Hauptschlagader des Reviers in lustvollen Geplänkeln zwischen Alt- und Baritonsaxophon (Katrin Scherer), Schlagzeug (Bernd Oezsevim) sowie Klarinette und Tenorsax (Sven Decker), gelegentlich angehübscht mit diskret- zweckdienlichen Electronics der beiden Bläser. Kein tumbes Stop & Go, sondern hinreißend sensibler Fluss packend ausgestalteter Ideen, die sich Katrin Scherer und Sven Decker klug aufteilten.
Ganz ohne Furcht vor Überholmanövern oder Karambolagen, verknüpften sie wilde Impro- Künste mit schönen Melodien zum stimmigen Gesamtbild. Bernd Oezsevim gab bei dieser mal hektischen, mal ruhigen Reise den gefühlvollen Tempomaten:
Faszinierend, wie elegant dieser Drummer von groovigen Rhythmen in freie Strukturen und zurück wechselte, ohne je das Ziel holder Dreieinigkeit aus dem Blick zu verlieren.
Klarer Fall nach tollem Auftritt: Mit „A40“ (www.greendeermusic.de) gerät der nächste Stau zum vergnügten Staunen.
(Sven Thielmann, WAZ, 8. Juni 2009)
nach oben
... Das gleichfalls ''U.F.O. unidentified flying orchestra'' (Green Deer Music) überschriebene Debütalbum lässt die Herzen der Freunde von Blue-notes mit Avantgarde-Appeal im Breitwandformat höher schlagen. Das Ohr kann sich an mancherlei markanten Formeln orientieren; Moderne und Tradition verschmelzen; Druckvolle Fanfaren und swingende Rhythmen erinnern an Bigband-Sound, pikanter Bläser-Schmelz erzeugt wohlige Gänsehaut. Aus der Fusion-Ecke kommen rockige Riffs und durchdringende Gitarrenakkorde, und selbstredend dürfen schräge Geräusch-Passagen nicht fehlen. Das musikalische Geschehen ist weiträumig organisiert: mit Steigerungen und Bündelungen auf der einen und Passagen des Sich-Entspannens und Zerfledderns auf der anderen Seite. Organisch eingebunden sind aus- und ergiebige Improvisationen aus den Orchesterreihen...
OTZ vom 20.5.2008_ Internat. Jazzfestival Greizer Jazzwerk #9
Imposant war am Sonnabend die Band U.F.O. aus Essen, allein durch die Größe. Aber nicht nur die 13, zumeist sehr jungen Musiker, die sich die JazzWerk- Bühne teilten, waren ein Bild für sich.
Die Titel der beiden Bandleader, Katrin Scherer und Sven Decker, rissen vom ersten Ton an mit.
Es rockte, swingte und jazzte. Frisch und mit einer, alle Bandmitglieder einbindenden, gewaltigen Klangkraft befreite U.F.O. den Big-Band-Sound vom Staub der Jahrzehnte.
Musik, die Spaß machte, vorgetragen von einer Band, die mit großer Präzision gemeinschaftlich musizierte, und mit feinen Soli die berühmten i- Tüpfelchen setzte.
(OTZ Greiz vom 20. Mai 2008)
NRZ VOM 30. MÄRZ 2008 (B. Klostermann)
Nicht als Bigband, sondern als Avantgardeorchester versteht sich das Unidentified Flying Orchestra, kurz: U.F.O. genannt.
Avantgarde? Kein Grund zum Weglaufen.
Die 13- köpfige Truppe um die Essener Holzbläser Katrin Scherer und Sven Decker spielt frisch bis furios die Musik der Bandleader. Manch bekanntes Gesicht der jüngeren NRW- Szene ist dabei, und so wird das Debüt (GREEN DEER MUSIC/ Phonector) zu einer Art Visitenkarte des Jazz in der Region.
Sich auf Fremdes einlassen
Texte von Ernst Jandl und progressiver Jazz in der Schauburg
Von Simon Tönies
Ibbenbüren. Das Bestreben eine eigene künstlerische Ausdrucksform zu finden, verstaubte Konventionen zu sprengen, eine neue, kraftvollere Sprache zu finden – das ist es wohl, was den Grazer Jazzmusiker und Leiter der NDR Bigband, Dieter Glawischnig, mit der experimentellen Lyrik Ernst Jandls verbindet. Am Samstag gastierte er auf Einladung des Buchladens Frank, der Stadtbücherei, des Förderkreises „Vielseitig“ und der Volkshochschule zusammen mit dem jungen, nicht minder experimentierfreudigen Jazzensemble u.f.o. (unidentified flying orchestra) und der Opersängerin Christina Michel in der Schauburg.
Das außergewöhnliche Programm aus jazzigem Avantgardestil, kombiniert mit dynamisch rezitierten Auszügen aus den Jandl-Epen „Laut und Luise“ und „Aus der Kürze des Lebens“ fand offenbar nur wenig Zuspruch und wurde einer leider recht übersichtlichen Besucherzahl präsentiert.
Der erste Teil des Abends gehörte allein den 13 u.f.o.-Vollblutmusikern, die mit abenteuerlichen Kompositionen von den beiden Bandleadern Katrin Scherer und Sven Decker gleichermaßen faszinierten und schockierten. In Titeln wie „Frost“ oder „Mast und Schotbruch“ schmetterten Drummer Nils Tegen und Bassist Hartmut Kracht einen energiegeladenen Groove in den Saal, während sich Holz und Blech mal schrill und druckvoll, mal zurückhaltend und reduziert, über dem rhythmischen Fundament entfalteten. Andreas Wahl setzte mit röhrenden Gitarrenklängen rockige Akzente. Die Kompositionen ließen viel Raum für Improvisationen, bei denen jeder Musiker auf seine eigene individuelle Art zur Geltung kam. Gespielt wurde mit bizarren Geräuschen, ungewöhnlichen Klangfarben und musikalischen Kontrasten, lyrische Passagen wechselten mit vollstimmigen Tutti-Einsätzen. Anerkennenden Applaus ernteten die Jazzer für ihre erfrischende Darbietung, die sicherlich für das unbedarfte Ohr eine schwer verdauliche Herausforderung und ästhetische Provokation war. Die Bereitschaft sich auf Fremdes einzulassen wurde zweifellos gefordert, aber auch belohnt, mit dem ganz besonderen Reiz des Authentisch-Neuen.
Der zweite Teil des Konzerts war den Texten von Ernst Jandl gewidmet. Dieter Glawischnig, der seit den Sechzigerjahren und bis zum Tod Jandls im Jahr 2000 mit dem Dichter zusammengearbeitet hatte, betonte eingangs, dass Jandl nicht einfach zum „skurrilen Witzbold“ stilisiert werden dürfe. Philosophische, kriegsverarbeitende, politische und humanistische Inhalte seiner Werke machten ihn vielmehr zu einem der „wichtigsten Poeten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Am knallroten Klavier begleitete er daraufhin das u.f.o. und die Opernsängerin Christina Michel, die Jandl auf eindringliche Weise rezitierte und interpretierte. Die Kompositionen Glawischnigs verschmolzen mit der Sprachakrobatik von Christina Michel, wahnwitzige Sprechrhythmen und der effektvolle Einsatz von Lauten und Wörtern wurden durch die Musik bereichert und verstärkt. Die Auszüge aus „Laut und Luise“ setzten sich zum großen Teil kritisch mit den Themen Tod und Krieg auseinander, wie zum Beispiel in der bekannten Konsonantenohrfeige „schtzngrmm“ oder dem gerade noch als Friedenswunsch identifizierbaren „falamaleikum“, was plötzlich zu einem verstörenden „fallnamalsooovielleutum“ wird. Mit „Aus der Kürze des Lebens“ wurde dann ausgiebig die Dichtkunst aufs Korn genommen. Die Heiterkeit des Lebens spiegelte das Gedicht „diesen tag begehen wir wie einen grund“ wider, was durch einen dynamisch aufbauenden und ausnahmsweise tonal eingängigen Walzer eindrucksvoll unterstrichen wurde. Da fühlte man sich tatsächlich beschwingt bis zum Rausschmeißer „Ssso!“ („Spruch mit kurzem o“), der mit scharfem Tusch aus den Sitzen scheuchte.
Jandl-Liebhaber Dr. Gerd Gerhardt hatte erst kürzlich zu einem Jandl-Vorabend eingeladen. Die musikalische Anreicherung der Texte war für ihn neu, der Abend ein rundum „tolles Erlebnis“. Auch Richard Frank, Inhaber des Buchladens Frank und Mitorganisator des Abends, rühmte die Darbietung als „außergewöhnlich gut“ und Glawischnigs Musik als „kongenial“. „Ich leite die Musik aus der Struktur des Textes ab“, äußerte sich Dieter Glawischnig nach Ende des Konzerts. Ähnliche Gestaltungsprinzipien seien es, die seinen Free Jazz mit der Sprache Jandls verbindet; beispielsweise Motivzerstückelung oder das Abweichen von traditionellen Formen. Nicht weniger traut er diesen „Weltbildern in Kompaktform“ zu, als „ein Stückchen die Welt zu verbessern“.
Am Anfang war das Wort und dann kam Ernst Jandl
Aberwitz mit Muthspiel und der U.F.O. Band
... Gleicher Start, doch ganz anderes Glück danach mit dem Pianisten Dieter Glawischnig. Der betörte mit dem Essener U.F.O. (unidentified flying orchestra) und der beeindruckenden Rezitatorin Christina Michel durch knackig-raffinierte Arrangements, die grandios - und bei Jandl politischen Texten höchst bösartig - feinen Sprachwitz und jazzige Spielfreude kombinierten. Faszinierend vor allem, wie exakt und doch entspannt das junge Ensemble agierte, fein subtilste Nuancen herausstellte und auch vertrackte Tempiwechsel meisterte.
An diesem Abend spürte wohl jeder der begeisterten Zuhörer das ungeheure Potential dieses entdeckungswürdigen, (noch) nur regional bekannten Orchesters, dessen erste CD ''u.f.o.'' gerade auf Green Deer Music erschienen ist.
von Sven Thielmann, WAZ Ausgabe 28.04.2008
INTERVIEW IM JAZZPODIUM (03/2008)
Interview im Jazzpodium Ausgabe März 2008 mit Katrin Scherer und Sven Decker
Alles begann wie es so oft begann: mit Bodenhaftung in einer klassischen Schüler BigBand. In Sven Deckers Fall in der Schüler BigBand des Saarlandes. Doch Tenorsaxophonist Decker hat sich hinauskatapultiert aus der sicheren, stark frequentierten Flugspur des herkömmlichne Big-Band-Sounds. Hinaus in die unbekannten Weiten des avantgardistischen Klangkosmos. In jener neuen unbekannten Umlaufbahn etablierte Sven Decker einige Fixpunkte. Sein Quartett Feinkost Decker, das preisdotierte Trio Ohne 4 gespielt drei und im Herbst 2005 das Avantgardeorchester U.F.O. (Unidentified Flying Orchestra). Die Mitbegründerin des Orchesters und Kollegin in allen anerden Projekten ist die Saxophonistin, Komponistin und musikalische Partnerin Katrin Scherer. Mit ihr gründete Sven Decker im Frühjahr 2007 auch das eigene Label GREEN DEER MUSIC. Seither fliegen sie unbeirrt ihren Kurs, erregen Staunen wo immer sie landen, und begeistern mit ihren zuweilen sperrigen, aber stets ungewöhnlichen Arrangements, als kämen sie geradewegs von einem anderen Planeten.
U.F.O. steht für „Unidentifiziertes Fliegendes Orchester". Wollt ihr ganz bewusst unidentifiziert bleiben, um in keine Schublade zu geraten?
Nein, uns war einfach wichtig, einen griffigen Begriff zu finden, eingängig und witzig. Wir wollen uns natürlich nicht in eine Schublade stecken lassen, auf jeden Fall aber wollen wir uns von dem Begriff BigBand distanzieren, weil man damit einfach ein bestimmtes Klangbild verbindet.
Wie reagieren denn die Veranstalter auf ein großes Avantgarde-Jazzorchester?
Sven Decker: Uns ist schon klar, dass es schwierig ist für eine 13-köpfige Band Konzerte zu bekommen. Es ist finanziell kaum machbar. Katrin und ich wollen natürlich unseren Musiker auch eine anständige Gage bezahlen. Das Interesse von Seiten der Veranstalter ist groß. Gerade hier im Ruhrgbiet, weil es etwas vergleichbares nicht gibt, aber die finanzielle Durchführbarkeit ist eben nicht einfach. Hauptsächlich versuchen wir, mit der Band auf Festivals zu spielen, da die meisten Clubs die finanziellen Mittel nicht haben.
Wodurch kam die Hinwendung zur avantgardistischen Musik?
SD: Es gibt wenige klassische Big Bands, die mir gefallen. An der Hochschule haben wir dann Stücke von Peter Herborn gespielt und die moderne Big-Band-Musik hat mir immer schon besser gefallen, modern Arrangements, die eher auf Solisten zugeschrieben sind. Was ja auch bei uns der Fall ist. Zu U.F.O. hat mich letztlich auch die Suche nach dem anderen Klang gebracht.
Wie stehst du dem klassischen Jazz gegenüber?
SD: Mein Einstieg in den Jazz war eigentlich der moderne, avantgardistische Jazz. Erst jetzt entdecke ich rückblickend die grundlegenden Stilistiken für mich. Wobei ich sagen muss, dass ich Leute wie Eric Dolphy noch immer interessanter finde als John Coltrane.
Katrin, was ist deine Position gegenüber dem klassischen Jazz?
Katrin Scherer: Bei mir ist die Situation ähnlich wie bei Sven. Ich bin auch eher mit den zeitgenössischen Musikern in Berührung gekommen. Erst während meines Studiums in Amerika habe ich mich intensiv mit der Tradition beschäftigt. Heute allerdings befasse ich mich fast noch mehr mit klassicher Musik als mit Jazz.
Fließt das in deine Kompositionen mit ein?
KS: Das ist eine gute Frage. Ich mag sehr Olivier Messiaen, dessen Kompositionslehre ich ein bisschen studiert habe. Seine Regeln sind schon so etwas wie ein Vorbild für meine eigenen Kompositionen, ich habe deshalb aber kein strenges Konzept nach dem ich ausschließlich komponiere.
Für keine der verschiedenen Formationen?
KS: Es gibt natürlich schon Unterschiede. Wenn ich für eine kammermusikalische Besetzung schreibe, dann ist der Rahmen nicht so eng, schreibe ich für ein großes Ensemble, dann muss man das schon sehr genau machen, sonst klingt es einfach schlecht. Man muss genau wissen was man tut. Mit Improvisation kann man da nicht so viel entschuldigen.
Wie viel der Kompositionen sind ausnotiert?
KS: Bis auf die Improvisationen eigentlich alles. Bei der großen Besetzung erst recht. Bei einem großen Orchester besteht das Thema natürlich nicht nur aus einer Melodie, sonder auch aus verschiedenen Begleitstimmen und Gegenmelodien, ein ausgearbeiteter, erweiterter Leadsheet-Charakter.
Welche Herangehensweise hast du, Sven beim Komponieren?
SD: Ich bekomme viele Impulse beim Musikhören. Und wahrscheinlich liegt es daran, dass ich auch Schlagzeug spiele, denn für mich ist der Ausgangspunkt immer der Rhythmus, der Groove. Zuerst habe ich eine bestimmte Vorstellung von Groove im Kopf, auf den ein bestimmtes Motiv folgt und dann ist das eigentlich schon die Melodie. Früher habe ich eher nach bestimmten Gemütsstimmungen geschrieben, aber wenn man viel Musik für viele Besetzungen schreibt, dann ist das tägliche Arbeit wie Üben auch, unabhängig von Gefühlsschwankungen.
Das heißt, du setzt dich hin, ganz egal, wie es dir geht, und sagst dir: Ich habe zwei, drei Stunden Zeit, jetzt muss geschrieben werden.
SD: Genau so ist es. Man setzt sich hin, reizt es aus so lange es geht und versucht, Lösungen und Wege zu finden. Manchmal gibt es Stücke, mit denen man sich herumquält, man schaut, wie es zusammenpassen könnte, und bastelt. ich weiss jedenfalls schon beim Schreiben, wer was spielen soll. Ich versuche auch dem Schlagzeuger, der für mich der wichtigste Mann in der Band ist, zu sagen, wie er spielen soll. Ich weiss wie ich die Soli verteilen möchte und versuche, das Stück daraufhin anzulegen.
Katrin, was machst du anders als Sven?
KS: So groß ist der Unterschied zwischen Sven und meiner Herangehensweise gar nicht. Ich fange auch erst einmal mit Leadsheets an, schreibe eine Melodie und suche dazu Akkorde und Tonalitäten, Basslinien und Rhythmen.
Also fängt alles mit einer Melodie an?
KS: Ja, im einfachsten Sinn schon, die Sache ist aber, beginnt es wirklich mit einer Melodie oder ist ein Intervall wichtig. Es ist nicht wirklich so, dass ich da sitze und mir fällt eine Melodie ein, es ist eher sehr viel ausprobieren mit Intervallen, Tonfolgen und Proportionen. Und das führt dann zu einer Melodie. Aber Sven ist beim Komponieren viel melodie- und gefühlsbetonter, ich bin neutraler, bei mir muss alles eine Erklärung haben, nachvollziehbar sein.
Was ist deine Intention beim Musizieren, Sven?
SD: Ich schreibe und komponiere so, dass jeder Musiker permanent die Musik mitgestaltet. Musik, die in eine bestimmte Richtung geht. Jeder Teilnehmende kennt die Marschrichtung und alle wissen, welches Ziel man erreichen will. Im Prinzip freie Musik mit Vorgaben. Für mich ist für die Freie Musik die Komposition der absolute Ausgangspunkt. Sie muss für sich genommen schon aussagekräftig sein. Trotz der Vorgaben gibt es natürlich viel Raum für Improvisation. Es ist Katrin und mir wichtig, mit unseren Bands die heutige Zeit zu repräsentieren, so, wie wir sie empfinden, laut, hektisch, schrill und sperrig, zeitgemäß eben. Um damit auch authentisch zu bleiben.
Im Frühjahr 2007 habt ihr euer eigenes Label GREEN DEER MUSIC gegründet. Weshalb?
KS: Die Gewinnspanne im Bereich zeitgenössischer Jazz ist nicht gerade groß, und als Künstler ist man sowieso immer das letzte Glied in der Kette, auch, wenn man, wie wir bisher, bei JazzHausMusik einen Superdeal hatten. Da man die Musik ja selber schreibt und ohnehin alles am Laufen hält, haben wir den Entschluss gefasst, dass wir auch das noch selber machen wollen. Einen Vertrieb haben wir schon.
Habt ihr den Eindruck, dass es jetzt, mit eigenem Label, besser für euch läuft?
KS: Ja, auf jeden Fall. Wir haben alles in der Hand, machen unsere Fehler selbst und stehen selbst dafür gerade. Covergestaltung, Homepage, Management, alles wird von uns selber gemacht. Finanziell profitieren wir natürlich mehr von verkauften CDs, Wir können so unsere Musik viel intensiver voran bringen. Alles hat mehr Richtung
Text: A. Zeh
erschienen im Jazzpodium (Ausgabe März 2008)
CD- Besprechung Feinkost Decker (GREEN DEER MUSIC/ GDM 01)
in Jazzthing 09/2007 von Martin Laurentius
Rund um den Jazzstudiengang an der Folkwang Hochschule für Musik in Essen hat sich eine junge Szene gebildet, die in den letzten Jahren mehr und mehr ins Rampenlicht rückt. Ein wichtiger Protagonist dieser neuen Jazz-Community im Ruhrgebiet ist der junge Saxofonist, Klarinettist und Komponist Sven Decker. Zusammen mit seiner Kollegin Katrin Scherer hat er gerade den Weg in die "Selbstständigkeit" gewagt - und mit GREEN DEER MUSIC ein eigenes Label gegründet.
Weil dieses Label ausschließlich eine Plattform für die eigenen musikalischen Arbeiten sein soll, ist als erste Veröffentlichung die gleichnamige CD seines Bandprojektes Feinkost Decker erschienen, dessen neun Stücke live im TIV Mitte Februar 2007 in Saarbrücken aufgenommen wurden. Mit ihrer frischen und vitalen Improvisationsmusik überspringen Decker und Scherer im Quartett mit Stefan Scheib (Bass) und Jochen Krämer (Drums) frech und neugierig, risikobereit und wagemutig Grenzen und offenbaren ein großes Potenzial an herausragendem Musikantentum. Das hat Klasse und lässt vor allem eins nicht vermissen: Spielwitz (GREEN DEER MUSIC/phonector)
CD- Besprechung Feinkost Decker (GREEN DEER MUSIC/ GDM 01) im JazzPodium 07/08 2007 von Thomas Volkmann
,, No pain for cakes‘‘ hieß 1991 ein Stück der Lounge Lizards. Prägend für deren Sound waren die Wechselspiele der beiden Saxophonisten John Lurie und Michael Blake. Als deren Erben auf deutschem Boden könnte man heute die Formation ,, Feinkost Decker ‘‘ bezeichnen, die ihrem Bandnamen entsprechend- und dies sei als vielleicht etwas seltsame Herleitung erlaubt- ja auch alles andere wollten, als Qualen durch Kuchengenuss zu erzeugen. Ihr, gerne kammermusikalischen Konventionen, gehorchender Sound jedenfalls ist wie einst bei den Lounge Lizards lyrisch, erfrischend, progressiv, gerne mal auch schrägtönend und gerne an der Schwelle zu Rock und freier Improvisation (Zappa un Zorn lassen grüßen!)
Einen großen Unterschied allerdings gibt es zu den Lizards: die Feinkost- Musikanten kommen bei ihrem im Februar in Saarbrücken live mitgeschnittenen Debüt ohne Trompete, Gitarre, Cello und Vibraphon aus, zimmern ihre assoziationsreich auf Titel wie ,, Trillerpfeife‘‘, ,, Pankreas Punk‘‘, ,,Waldgeister‘‘, oder ,, Suppenkasper‘‘ hörenden Kompositionen allein mit Holzbläsern (Sven Decker und Katrin Scherer), Kontrabass (Stefan Scheib) und Schlagzeug (Jochen Krämer) zusammen. In der Abstimmung ihrer Zutaten erweisen sich die Jazz- Verkoster aus Essen (sic!) als gleichberechtigte Könner eines zeitgemäßen Jazz!
CD- Besprechung Feinkost Decker (GREEN DEER MUSIC/ GDM 01) im coolibri (August 07)
Feinkost ist nicht jedermanns Sache- einen eingefleischten Pommesfan wird man kaum von der Köstlichkeit französischer Schnecken überzeugen können. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Musik; so ist der zeitgenössische Jazz von Feinkost Decker wohl nichts für Bravo- Hits- Sammler. Aber Freunde der anspruchsvollen und handgemachten Jazzmusik dürfte der Essener Sven Decker mit seinem Quartett ansprechen: progressiv, bisweilen in den Freejazz abdriftend, schwankt die selbst betitelte Debüt- CD zwischen kammermusikalischer Komposition und ''eruptiven Improvisationen''. Die Stücke erzählen Geschichten und laden zum Abschalten und Lauschen ein. Feiner Jazz für Kenner!
CD- Besprechung Feinkost Decker (GREEN DEER MUSIC/ GDM 01) in der SZ (Auszug) von Stefan Uhrmacher
Die geballte Power von zwei Saxofonen ist das Markenzeichen des Jazz- Vierers '' Feinkost Decker''. Geblasen werden sie von Katrin Scherer und Combochef Sven Decker...
... Mal bohren sich einfache Saxofonformeln mit Macht ins Hirn, mal präsentieren sich die Paarläufe als geradezu halsbrecherische rhythmische Stolperstrecken. Variantenreiche Passagen vitalen Dialogs münden in Soloeinlagen, bei denen die heiß gepusteten Kannen röhren, quicken und kichern. Und zur Abwechslung greifen Decker und Scherer zu ihren Klarinetten. Heraus kommt fesselnder New Jazz in durchweg erfreulich klarem und transparenten Klangbild (Sound: Markus Braun) Ein wichtiges Scherflein hierzu bei tragen die Routiniers Scheib (Kontrabass) und Krämer (Schlagzeug). Das wohl beste Background- Duo des Saar- Jazz erdet die Decker- Feinkost mit swingenden und pumpenden Grooves, mit rockiger Power (''Pankreas Punk'') oder ebenso entspannten verqueren Mustern. (uhr)
Pressestimme (Auszug aus der SZ vom 17. Februar 2007 von Stefan Uhrmacher
Ein herausragender Abend „Feinkost“ bei den ini art Konzerten im TiV Eine Legion hochwertiger Mikrofone auf der kleinen Bühne des gut besuchten Theaters im Viertel (TiV) signalisierte: Hier wurden am Donnerstag Aufnahmen für eine CD gemacht. In die Konserve wanderte der Auftritt der Band Feinkost“ im Rahmen der ini art Konzerte.... .....Die Bläserfront des Vierers aus Saxofonen und Klarinetten bilden die beiden jungen Folkwang Absolventen Katrin Scherer und Sven Decker. Sie stammen ebenfalls aus dem Saarland und zeichnen für die Feinkost“ Kompositionen verantwortlich. Und die sind durchweg hochkarätig. Dabei verrieten drückende gemeinsame Saxofon Riffs, knifflig zerrissene Figurationen, spannungsreiche Intervallführungen und pfiffig ineinander greifende Linien nicht nur Ideenreichtum und satztechnisches Know how – sie wurden hier darüber hinaus auch noch erfreulich punktgenau realisiert, in teils beinahe traumwandlerischem Miteinander. So wuchs auf der Grundlage des vitalen und variantenreichen Rhythmusfundaments von Scheib und Krämer eine höchst energetische Musik. Ehrensache, dass vor eingeschalteten Mikrofonen jeder auch bei den Soli sein Allerbestes gab. Also durfte ini art einen herausragenden Abend verbuchen. Begeisterter Applaus. (uhr)
Ohne 4 gespielt drei: Debut (JHM, 2006)
CD-Besprechung
von Tobias Böcker im Jazzpodium 07-08/2006
Ohne 4 gespielt drei: Debut
Keine Schnörkel, keine Stilgehorsamkeiten, keine Kompromisse: Wilder ''Pankreas Punk'' und oktoberfestiger ''Fassanstich'', Zick-Zack durchs improvisatorische Unterholz, in viersätziger Suite ''aus der Tiefe des Raumes'' quer durch ''Nordkurve'' und ''Dritte Halbzeit'' bis hin zur ''Well-ness in der Uckermark''.
Ohne vier zu spielen erfordert im Skat Risikobereitschaft, Selbstbe-wusstsein und ein verflucht gutes Beiblatt. Das bringen sie mit: Katrin Scherer, bs, bcl, as, Sven Decker, ts, bcl, cl, electronics, sowie Bernd Oezsevim, dr, perc, alle drei dem Dunstkreis der Folkwang-Hochschule in Essen entsprossen, lassen in ungewöhnlichem Trio dem Mut zur Besetzungslücke ergötzlich freien Lauf, erfreuen durch frische Impro-visationslust, pfiffig ineinander verschlungene Linien, spannende Harmo-nien, kontrastreiche Klangvarianten und eine groovebetont variable rhythmische Gestaltung.
Das alles wirkt bei aller gewieften Komplexität mehr aus dem Bauch als kopfgesteuert und macht deshalb um so mehr Spaß.
CD-Besprechung von Rolf Thomas in Jazzthetik Mai/Juni 2006
Ohne 4 gespielt drei: Debut
Kürzen wir den Namen dieser Band einfach einmal mit O4G3 ab, um mehr über die Musik schreiben zu können. Die ist nämlich, ähnlich wie der Bandname, hochoriginell. Ein Trio mit zwei Bläsern und einem Schlagzeuger, ohne Bass, ohne Klavier- den Mut muss man erst mal haben. Katrin Scherer, Sven Decker und BerndOezsevim hatten ihn, und zu ihrer originellen, nervösen, zickigen, komplizierten und oft aufregenden Musik passt die unkonventionelle Besetzung wie die Faust aufs Auge.
'Old School', um mal ein willkürliches Beispiel herauszugreifen, fängt an, wie es heißt: Vor einem wenig aufre-geden Schlagzeug-Beat produziert sich in aufreizender Lässigkeit eine Bassklarinette. Man ahnt, dass es so nicht weitergehen wird. Und in der Tat: der Ton wird rauer, der Rhythmus bricht ab, minimalistische Phrasen aus dem Zappa-Handbuch wechseln sich mit meditativen Ruhe-pausen ab (natürlich immer viel zu kurz, um allen Ernstes als 'meditativ' durchgehen zu können).
O4G3 spielen, was sie wollen, und sie haben Humor. Darauf deuten Songtitel wie 'Wellness in der Uckermark' ja schon hin (oder soll Botho Strauß mit dieser Vorstellung gepeinigt werden?), aber auch die Musik steckt voller Witz. der kein feistes Schenkelklatschen auslöst, sondern schnell, hell und klar ist. Kurz: Die 'Verweigerung jazzidiomatischer Kate-gorisierbarkeit' (ist es nicht herrlich, was diesen Infozettelschrei-bern so alles einfällt?) gelingt O4G3 in vollen Pracht. Und weil man nie weiß, was als Nächstes um die Ecke kommt, und weil die Platte Spaß macht, ignorieren wir jetzt einfach mal, dass das bisweilen auch anstrengend zu hören ist. 'Aus der Tiefe des Raumes' kommt jedenfalls nicht nur Günter Netzer - gerne mehr davon.
von Rolf Thomas Jazzthetik Ausgabe Mai/Juni 2006
CD-Besprechung in Jazzthing 06-08/2006
Ohne 4 gespielt drei: Debut
Nicht nur einen seltsamen Namen hat das Bandprojekt ohne 4 gespielt drei, sondern ist darüber hinaus auch ungewöhnlich besetzt: mit Katrin Scherer und Sven Decker an verschiedenen Klarinetten und Saxophonen und dem Perkussionisten Bernd Oezsevim.
Gleich vorweg: Die drei gehören zu einer Generation junger Musiker, die sich bewußt einer eindeutigen Kategorisierung entziehen. Auf ihrem schlicht mit 'Debut' (JazzHausMusik/NRW) betitelten Album mischt sich collagenartig improvisierte Musik mit zeitgenössischer Avantgarde und Neuer Musik, und sogar elektronische, am Dancefloor orientierte Parts sind nicht zu überhören.
''Wir verwenden Electronik, aber nicht deshalb, weil es seit geraumer Zeit hip'', so Decker. ''Vielmehr ist sie für uns fast schon so etwas wie ein viertes Bandmitglied.'' Die drei kennen sich seit ihrer Jugend im Saarland, als sie erst zusammen in der Landesschüler-Big-Band saßen und später im Landesjugendjazzorchester spielten. Während des Musikstudiums an der Folkwang Hochschule in Essen wurden sie von ihren Dozenten in dem Wunsch bestärkt, eigene Stücke zu schreiben und aufzuführen. ''Für uns ist Authentizität schon immer ein wichtiger Aspekt gewesen'', meint Decker.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: ohne 4 gespielt drei war zum Beispiel 2005 Preisträger des Wettbewerbs jazzwerkruhr. Aber obwohl die Stücke auf ''Debut'' komplex und technisch anspruchsvoll sind, kommt Humor dabei keineswegs zu kurz: So trägt etwa die Suite von Katrin Scherer den Titel: '' Aus Der Tiefe Des Raumes'' und ist mit ihren vier Sätzen so etwas wie ein musikalischer Vorgeschmack auf die anstehende Fußballweltmeisterschaft hierzulande.
...und das Trio 'ohne 4 gespielt drei' , ebenfalls in Essen beheimatet, brillierte auf zwei Blasinstrumenten sowie Schlagzeug und ein wenig Elektronik. Mit fordernden Klangcollagen, krummen Taktspielereien und einem bissigen musikalischen Humor trieben Katrin Scherer, Sven Decker und Bernd Oezsevim dem Jazz jeglichen Staub aus den Rillen....
(aus: Westfälische Rundschau 12.12.2005)
... Klang-Alchimisten sind diese drei Jazzer, ständig auf der Suche nach neuen Tönen in ihren Collagen aus Punk, wilden, expressiven Improvisationen und sanften Balladenmelodien. Humorvoll sind die avantgardistischen Eigenkompositionen, in denen 'Ohne 4 gespielt drei' elektronische Klänge als Joker einsetzt und mit kanckigen Bläser-Riffs über dem Klangteppich des Schlagzeugs trumpft.
'Zick-Zack', so ein Titel der Debüt-CD, die das jazzwerkruhr mit auf den Weg gebracht hat, spielten sich die Essener durch Modern Jazzstile und karikierten dabei mit viel Witz auch das traditionelle Repertoire von Blasmusikkapellen, in denen die Bläser ihre ersten musikalischen Erfahrungen gesammelt haben....
(aus: Ruhr Nachrichten 12.12.2005)
...Es sind die federnden, oft krummen Rhythmen und die komplexen Harmonien, die, von einer zudem ungewöhnlichen Instrumentenkombination gespielt, einen Sog erzeugen, der einen packt. Manches beginnt im einvernehmlichen Bläserunisono bis sich Saxophone oder Klarinetten einander reiben, aber auch herrlich ergänzen....( aus: Ruhr Nachrichten Juni 2005)
... Das Trio zählt zweifelsohne zu den frischesten, frechsten und ungewöhnlichsten Formationen der aktuellen Ruhrgebietsszene. Mit zweifachem Blaswerk, Schlagzeug und reichlich Elektronikas tasten sie sich in tough geschnittenen Collagen an stilistische Grenzen vor: herbe Dissonanzen schneiden schrullige Polkaseeligkeit, erdige Grooves trffen auf kantige Bläserlinien. ohne 4 gespielt drei spielen das Spiel des Jahres..... ( aus K.WEST Juni 2005)
... dass Frauen nicht nur für Gefühle zuständig sind, bewies die Saxofonistin Katrin Scherer der Band ohne 4 gespielt drei. Souverän, extrovertiert und technisch perfekt beherrscht sie die gesamte Palette der Saxofone sowie die Bassklarinette und verbindet diese mit ausgefeilten, lautstarken Effekten. Ihr scheint nichts heilig zu sein: egal ob Schuhplattler oder Marsch, alles endet in den weiten des Free Jazz... ( aus Jazz Pages 05/04)
Ohne 4 gespielt drei meets FAUST
Saarbrücken. Erfreulich viele Zuhörer fanden am Freitag den Weg ins Wasserwerk Scheidt zu "Ohne 4 gespielt Drei meets Faust" im Rahmen der Saarbrücker Sommermusik.
Das junge Experimentaljazz-Trio 'Ohne 4 gespielt Drei', kurz O4G3, hatte sich eine Hörspiel-fassung der "Faust"-Inszenierung von Gustav Gründgens aus dem Jahr 1954 vorgenommen und sie zu einer Musikcollage verarbeitet, die nun live interpretiert wurde.
Gut, dass dabei Schlüsselszenen des Gründgens-Hörspiels weitgehend erhalten blieben und die markanten Theaterstimmen von einst (neben Gründgens auch Elisabeth Flickenschildt) ihr Charisma entfalten konnten.
Die Sprache vom Band war hier bereits Musik, mit der sich freilich die Noten aus der Feder der O4G3-Chefin Katrin Scherer (Saxofon, Klarinetten, Flöte; Konzeption) und die Improvisationen ihres durch Sven Decker (Saxofone, Klarinetten) und Bernd Oezsevim (Schlagwerk) vervollstän-digten Dreiers eng verzahnten. Mal musizierten O4G3 sparsam illustrierend, mal heftig kom-mentierend, mal drängten sie sich in den Vordergrund, und die Worte brachen ab.
Besonders spannend gerieten Momente, in denen Sprache und Livesound sich nebeneinander her bewegten und eine merkwürdige Atmosphäre des Zwielichts erzeugten.
Urjazzig federnder Swing, gesampelte Klänge, Elektronik und schräges Experiment kamen vor. Seine intensivsten Augenblicke verdankte der Abend freilich vielen pikant gesetzten Bläser-duetten geradezu expressionistischen Charakters.
aus: SZ 17.09.06